BDSM Sucht und Mode heute

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Giulia P.

1. Ich wurde als Kind geschlagen. Ziemlich böse: erst kalte Dusche bis ich so gut wie keine Luft mehr bekam und hyperventiliert habe. Ich konnte dann auch nicht mehr schreien oder mich wehren, weil ich keine Luft bekam. Daraufhin wurde ich mit einem Gürtel geschlagen. Überall hin, auch wie BDSMler sagen würden Spanking auf den nackten Arsch oder auch mit Kleidung. Egal, Hauptsache Schmerz!

2. “Safe, Sane, Consensual” kann ich somit nicht glauben. Dafür habe ich keinen Vertrauen mehr in die Leute.
Wie sollte ich mich denn freiwillig in eine Situation begeben, in der mein Trauma wieder hochkommt? Was sollte mich daran erregen? Ich bekomme Panik, vielleicht eine Panikattacke mit Hyperventilieren. Wenn ich jetzt noch gefangen gehalten werde (wie bei der Polizei in eine Zelle eingesperrt  werde samt Handschellen, ohne Klamotten), dann flippe ich aus in Klaustrophobie. Mir wird hier die Freiheit beraubt gem. §239 StGB, wenn der Top oder der freiwillig zu gehorchendem Masterdurch die Tat oder eine während der Tat begangene Handlung eine schwere Gesundheitsschädigung des Opfers verursacht.

3. Dann werde ich wohl oder übel doch – wie es ja pathologisch leider oft passiert – vom Opfer zum Täter und verprügele dann lieber andere Leute. Gerne, wenn die drauf stehen “tagelang nicht sitzen zu können” oder “Arsch bis er blutet”. Da seufze ich nur und werde böse: Kinder darf man nicht mehr schlagen. Ab 18 in Deutschland dürfen sie geschlagen werden wollen. Und es werden immer mehr, immer mehr, die es wollen. Geil!

4. Das Wort “Vanilla” finde ich etwas anmassend, aber okay. Ich gehör ja zu den “Luschen”, den “langweiligen Blümchensex” Leuten, die nicht auf Schläge und Schmerz bis zum Abwinken stehen. Vanilla…blond und rein wie die Haarfarbe von Helene Fischer. BDSM ist schwarz und Blut. Und Geil. Und Aufregend. “Das ist ja total normal heute! Jeder macht sowas! Sei nicht so prüde” Nein, ich brauche keine Schmerzen, weil ich MEHR als “nur langweiligen Sex” brauche und auch kriege – nur nicht über das, was plötzlich als normal gilt. wtf. Mit irgendwelchen Leuten in nem Zimmer oder Partyraum mich schlagen. Dann geh ich zum Bahnhof in ne Disse Saufen und prügel mich dort à la Fight Club. Richtig: das darf ich nicht. Das ist Körperverletzung und die Bullen kommen. Geiles BDSM ist legal und cool und total in!

5. Da das schlaue Marketing den Zeitgeist mittlerweile auch bis zum Mainstream mit Lack und Leder vollbaut, gehöre ich nun zu den “verkorksten”, “frigiden””prüden” “Konservativen”. Weil ich nicht auf Angst als sexuelle Erregung stehe. Wenn Leute darüber eine Katharsis empfinden, gut, aber lasst mich meine Katharsis anders erlangen. Zumal ich tatsächlich keinen Reiz sehe am §131 StGB der Gewaltdarstellung oder der ach so beliebten Gewaltpornographie gem. §184a StGB. Ja, auch wenn die lieben BDSMler “nur spielen” wollen. “Ich will doch nur spielen” mit Peitsche und Stromschlägen ist für mich kein Spiel, sondern Folter.

6. Es könnte eine Frage des Wachstums des Zeitgeistes sein, wann wieder Päderastie angenommen wird. Liest man sich die Geschichte zu BDSM durch, sollte dies in Zukunft wieder möglich sein. Die Kinder von heute sind es ja gewohnt ab  9 Jahren Porno zu schauen und sich untereinander geile Spielchen anzutun. Es ist möglich und es läuft. – nur eben illegal. Dasselbe gilt für Drogen. Wenn man davon ausgeht BDSM gehört seit den 90ern nicht mehr zu “kranken” Praktiken,  sondern zur Katharsis des “Sensation Seeking” im Sinne von

  • Thrill and adventure seeking“: Körperlich riskante Aktivitäten
  • „Experience seeking“: Abwechslung durch unkonventionellen Lebensstil (Reisen, Musik, Drogen)
  • „Disinhibition („Enthemmung“) seeking“: Abwechslung durch soziale Stimulation (Party, Promiskuität, soziales Trinken)
  • „Boredom susceptibility“ („Anfälligkeit für Langeweile“): Abneigung gegenüber Langeweile und Neigung zur Unruhe, wenn die Umwelt keine Abwechslung mehr bietet.

dann kann ich für mich weiter sehen, dass einige Drogen (wieder) legalisiert werden können. Ich möchte z.B. lieber Marijuana unbestraft genießen können statt blutig ausgepeitscht zu werden. Wo ist das Problem? Ich möchte lieber was nehmen und dann vielleicht, vielleicht auch nicht, mit der Person Sex dazu haben. Drogen wirken genauso auf Dopamin und Noradrenalin. Das SSC Safe, Sane, Consensual gilt auch beim Drogenkonsum. Ebenso das RACK (risk-aware consensual kink). Wenn Leute also als Spaß ansehen, sich gegenseitig physische und psychische Schmerzen an zu tun, und das immer mehr und immter härter, heißt es nicht, dass ich “anormal” bin, wenn ich nicht auf Schmerzen stehe.

7. Porno reicht den meisten nicht mehr. Hard-Core-Porno reicht auch nicht mehr. Sex und Toys reichen nicht mehr. Es müssen psychische und physische Schmerzen dazu kommen; am Besten in der Beziehung UND in einer oder mehreren “Spielbeziehungen”. Sonst ist das Leben langweilig.

Ich brauche keinen “Herren”, ich brauche keinen “Sklaven”. Ich will nicht “Domina” sein und auch keine “Hure” oder “Sklavin”.

Es ist wirklich gemein von der Gesellschaft dann zu sagen, ich möchte nur “Blümchensex”, sei langweilig und möchte “nichts Neues ausprobieren”. Ich hörte auch “versuch es doch mal, vielleicht gefällt es Dir ja.” Nein. Allein der Gedanke gefesselt und geschlagen zu werden triggert mich!

Was ist das also, dass BDSM samt Körperverletzungen bis hin zu Fahrlässiger Tötung in Deutschland (dem Staat mit der meisten Kinderpornographie und dem Umschaltbahnhof für Menschenhandel) im Rechtsstaat in Ordnung geht, aber alle Drogen (außer Alkohol, Nikotin, Koffein) verpönt werden bis zur Abgrenzung? Ja, Drogen machen mehr Tote. Dann nehmt den Alk raus! Und den Tabak! Die neue Droge der Folter-Sex-Reize macht süchtig. Auch wenn es die BDSMler natürlich nicht einsehen wollen. Solange Junkies ihre Droge bekommen, ist ja alles in Butter. Wenn sie nicht ihre Dosis bekommen, kommt die “Sehnsucht” hoch und “ein innerer Sturm”, das ist so gesehen Suchtdruck (Craving).

Was ist das für eine Gesellschaft, in der eine neue Droge der Folter und des Quälens als zielstrebig und schön angesehen wird?

Ich lasse mich nicht einschüchtern von Leuten, die meinen sie seien jetzt “normal im Mainstream” weil sie, nach 50 Shades of Grey handeln und sich vom Marketing zutexten lassen, sich mit den Sex- und BDSM-Instrumenten einzudecken für horrende Summen. (Mehr als ein Gramm Koks. Okay, das ist ein internationales Thema… aber süchtig macht beides.) Den Kick immer höher zu schrauben, das Gehirn immer mehr zu dopen. Das Leben ist ja so langweilig geworden in unserer Bequemlichkeit. Was kann man denn sonst noch konsumieren? Angst. Angst und Schmerz als Konsumgut. Als Sucht vom Adrenalinkitzel.

Die Droge BDSM und mehr mehr mehr Erwürgen, weil Sex nicht mehr ausreicht, weil Porno und Hardcore-Porno nicht mehr ausreichen. Diese Droge möchte ich nicht nehmen. Das heißt nicht, dass ich weniger Erfahrung oder Neurotransmitter-Schübe bei partnerschaftlichen und/oder sexuellen Beziehungen habe.  Ich hole sie mir woanders.

 

 

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6 thoughts on “BDSM Sucht und Mode heute

  1. Ich finde es richtig, den Blick ein wenig nach vorn zu richten und sich zu fragen, was solche Hypes aus der Gesellschaft machen, wenngleich ich die Pädasterie nicht als logische Konsequenz erkennen kann. Die Gründe für diesen “Reiz” wären ganz interessant. Ich kenne selbst ein Mädel, was seit ihrem 13. Lebensjahr solche Praktiken durchzieht. Dass das nun Mainstream werden soll, halte ich für eine gewagte These und hoffe darauf, dass es nicht so werden wird. Jeder soll in seinen vier Wänden tun und lassen dürfen, was er oder sie will, solange es einvernehmlich passiert.

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      • Es ist doch ganz interessant, dass im allgemeinen Diskussionen über Sex geführt werden, aber nicht über Innigkeit und Intimität. Ich denke, dass genau hier der Ansatz für die meisten Probleme sitzt. Man verwechselt auch mit diesem “Sex-Trend” schon wieder Offenheit in der Partnerschaft mit einem kurzfristigen Reiz, der das Paarleben für einen Moment wieder anheizen kann. Es geht ständig um Sex, aber je mehr es gezeigt und darüber gesprochen wird, desto weniger scheint es praktiziert zu werden, zumindest in einer liebevollen Atmosphäre. Ich glaube nur nicht, dass solch ein Film wirklich etwas an unseren Verhaltensweisen ändert. Für mich ist das eher, als hätte wir gerade ein besonderes Gewürz “entdeckt” und das muss sich jetzt jeder auf die Fertigpizza draufhauen, statt sich mal eine gescheites Mahl selbst zuzubereiten. Für einen kurzen Moment wird das zu einem tollen Erlebnis führen und dann? Verdammt, der Vergleich ist glatt so gut, dass ich darüber selbst mal schreiben muss 😉 (muss doch mein Ego streicheln lassen).

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      • Nungut, wenn Du aber BDSM vergleichst mit einem “Gewürz, das sich jeder auf die Fertigpizza draufhauen muss” – dann ist es ja genau, was ich meine: warum muss? weil jeder es macht? Weil es besser schmeckt? Giulia erklärt ja, warum sie eben nicht dieses Gewürz probieren möchte. Genauso wie ich keine toten Tiere essen möchte, obwohl es “jeder tut und es geiler schmeckt”. Zudem birgt es Gefahr, dass man sich an diesen Adrenalin-Reiz gewöhnt und dann kaum oder gar kein tiefes, ehrliches Gefühl mehr in der Intimät empfinden kann. Dass jetzt überall – auch Radio- und TV-Werbung tagsüber – angepriesen wird, man solle sein Sexleben “anheizen” mit einem “kurzfristigen Reiz” ist letzten Endes nur ein neuer Markt, um uns die Kohle aus den Taschen zu ziehen. Da Marketing immer mit dem Prestigegefühl arbeitet, sollen wir uns nun einreden “Wenn ich bei Sextoys und BDSM nicht mitmache, bin ich langweilig und frigide.” Dass Schulkinder sich gegenseitig für Geld oder Handy auf der Schultoilette in der Pause Oralverkehr verkaufen, ist so gesehen konsequent und daher mittlerweile nicht nur normal, sondern geil und sexy. Dank der Pornoindustrie, die es jetzt ins Mainstream geschafft hat, geht es hauptsächlich um kühlen – im wahrsten Sinne des Wortes – intrumentalisierten Adrenalin-Sex, nicht um – wie Du sagst – Offenheit in der Partnerschaft. Der neue Porn-Sex-Mainstream suggeriert uns, dass wir das neue Glutamat-Gewürz unbedingt auf der Fertigpizza brauchen. Obwohl eine selbstgemachte Pizza vielleicht doch viel besser schmeckt.

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      • Ein wenig offtopic, aber mein Magen sagt mir gerade, dass ich ein anderes Beispiel hätte nehmen sollen, der knurrt nämlich ganz laut.

        Nun wieder zurück zum Thema: Ich stimme ja durchaus mit dem Eintrag überein, ich glaube nur nicht, dass aus dem aktuellen Trend ein Weg in die Zukunft wird. Wir haben aktuell tatsächlich die Probleme, die Giulia beschreibt, ich wäre nur vorsichtig mit einer Vermutung, dass darauf Pädasterie als nächster Mainstream folgt. Mir ist es deshalb so wichtig, das so zu formulieren, weil ich mir vorstellen kann, dass der Text von einer Person gelesen wird, die jene Spielart für sich selbst anwendet, aber genau an dem Punkt aussteigen wird. Kritik muss verstanden werden. Deswegen gab es von meiner Seite aus einen Einspruch, obgleich ich dem Text durchweg zustimme. Also nur um es klar zu sagen: Du verdeutlichst in deinem Kommentar auch, warum der Weg zur Pädasterie ein sehr kurzer ist, da bin ich auch ganz bei euch, aber als Kritik ist es nach meinem Empfinden ein wenig zu weit gegriffen.

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