Filmrezension: Can a song save your life? / Begin Again by John Carney (2013)

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Der Film “Begin Again”, der ab 28.08.2014 in Deutschland unter dem (leicht behämmerten) Titel “Can a song save your life?” läuft, verspricht viel, hält aber wenig. (In Rumänien heißt der Film übrigens “New York Melody”)
Abseits der Songs von Maroon 5-Sänger Adam Levine und Keira Knightly, hübschen Bildern aus New York, und einer eher seichten Geschichte über Liebe, Schlussmachen und Wieder-Zusammenkommen und Musik, hat der Film nicht sonderlich viel zu bieten.
Der Film kam am 11. July 2014 in the US-Amerikanischen Kinos und wurde über den Verleiher The Weinstein Company in den Markt reingedrückt. Studio Canal verleiht ihn in Deutschland. Für einen Independent Film mit 11-köpfigen Produzententeam und kleinem Budget von US$ 7 Mio. ein sehr großer Coup. Adam Levine ist ein Frauenschwarm; zudem hat er seine ganze Rolle ohne Gage gespielt. Auch Keira Knightley soll offenbar nur US$ 50.000 erhalten haben.
Der Film wird sogar ab dem 29.August 2014 noch einmal in die US-Kinos geschickt, weil er als Micro-Budget Film als Highlight des Toronto International Film Fests und TriBeCa Festivals galt. Er soll ins Oscar-Rennen gehen. Für einen Song oder den Soundtrack. Dies ist sehr fragwürdig, denn es ist nicht sauber gearbeitet worden mit den Tonaufnahmen, sowie dem Sound allgemein (z.B.: sagt Keira ihrer Band in C zu spielen und sie fangen aber auf F an.) Zudem sind die Songs und Performances regelrecht farblos. Im Gegensatz zu “Once”. Dies ist in keinem Fall ein “Once Again”. The Weinstein Company setzt aber voll und ganz auf Marketing mit einem angeblichen Werbebudget von US$ 20 Mio!
Der Regisseur und Drehbuchautor John Carney ist sonst nur bekannt für den Musikfilm “Once” (Academy Award für Best Achievement in Music Written for Motion Pictures, Original Song “Falling Slowly”, 2008) und hat seitdem ein paar TV-Serien-Episoden geschrieben und umgesetzt. Er wollte wohl seine eigene unglückliche Liebesgeschichte erzählen, man denkt sogar er wollte Scareltt Johansson besetzten… und ja, genau das. Aber er entschied sich dann doch für das “Audrey Hepburn thing” – Rehlein Keira Knightley. Selbst Lindsay Lohan hätte hier zumindest noch etwas an spannender Würze reingebracht. Aber die passt wohl leider nicht in die Kitsch-Romantik.

Zur Story (Spoiler ab hier):

Die schüchterne Gretta, eine Singer-Songwriterin zieht mit ihrem Freund (Adam Levine), der gerade als Sänger entdeckt wurde, nach New York. Als er sie mit dem eigens für ihn komponierten Lied verlässt, beschließt sie, eine eigene Karriere zu starten. Dabei hilft ihr Mark Ruffalo, ein angeblich tougher alkoholabhängiger Big Music-Business Mann in Midlife-Crisis. Der hat noch zu schaffen mit der typisch desolat rauchenden Ex-Frau (wie üblich Catherine Keener), sowie pubertierender Tocher (einzig gut hier: Hailee Steinfeld – ja, das kleine Mädchen aus “True Grit”!). Am Ende kommt Keira aber wieder mit ihrem arroganten Ex zusammen. Warum-auch-immer. Dazwischen gibts noch ein wenig seichtes Warum-mache-ich-Musik-Geschwafel (das auch nochmal speziell schlechter übersetzt wurde als der Rest des Films sowieso schon), und am Ende weiß man nicht, womit man die letzten 104 Minuten seines Lebens verbracht hat.

Fallhöhe? Is nicht. Konflikt? Eigentlich auch nicht. Alle Figuren könnten jederzeit aufhören, das zu tun, was sie tun, sich in ihre schicke New Yorker Loft setzen (wobei mal wieder mit keinem Wort erklärt wird, wer die Miete zahlt), und dort ein schönes Leben haben. Niemand und nichts zwingt unsere handelnden Figuren das zu tun, was sie tun. Aber das macht nichts, denn (als Tussi-Rolemodel schlechthin) geht’s eh nur ums eigene Ego, um die eigenen Gedanken, das eigene Liebesleben. Sie ohrfeigt ihn, weint, lacht, trauert, sehnt, reist mit ihrem Rollkoffer ab, aber alles ist irgendwie schal, weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind. Und die miserable deutsche Synchro macht’s einem nicht leichter, sich in die Figuren hineinzuversetzen, und nimmt dem Film (vermutlich) das letzte bisschen Charme, das er in der Originalfassung noch gehabt haben mag.

Die Tagline “You’re only as strong as your next move.” ist hier nicht als emanzipiertes Statement einer jungen Sängerin zu sehen. Nach einer Stunde ziemlich leerer Handlung beschließt sie ihren alten Typen doch wieder zu nehmen. Wenn Frauen sich unterhalten, dann nur über Männer (und, okay, einmal “lets go shopping!”). Man kann hier nicht oft genug auf den Bechdel-Test verweisen:

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Doch selbst diese wenig ausdrucksstarke Rolle kann Keira Knightley kaum ausfüllen. Außer süß auszusehen und sich um sich selbst zu kümmern hat sie in dem Film nicht wirklich viel zu tun. Aber leider glaubt man ihr das nicht. Und die farb- und charakterlos gehauchten Songs machen das Ganze noch unglaubwürdiger. War als Regieanweisung vermutlich nett gemeint (Empathie für schutzbedürftige Rehlein)- aber trägt leider auch zum Scheitern des Films bei.

Was außerdem noch unangenehm auffällt ist das nicht gerade subversive Product Placement – ein Trend der im jüngeren Independent Cinema langsam aber sicher überhand nimmt. Gefühlt alle zwanzig Sekunden flattert mal wieder ein Produkt über die Leinwand, ist ein Auto im Bild geparkt, das dort nicht hinpasst, hält die Kamera ein paar Sekunden zu lang auf ihr Handy. Leider ist es wohl auch in den USA anders kaum möglich, einen Film unabhängig zu produzieren. Oder ist es doch nur Gier?

Man fragt sich, was uns hier in 107 Minuten, auch nur oberflächlich, erzählt werden soll: Sollte es eine Sozialstudie über New Yorker Snob-Künstler sein und diese scheitert an der Snobbigkeit der portraitierten Figuren? Oder ist er wirklich als eskapistischer Tussi-Kitsch angelegt – ohne Tiefe – und scheitert an seinen dramaturgischen Voraussetzungen? Auch als Musikfilm kann der Film nicht wirklich durchgehen, die seichten Songs fallen im Geplätscher der Handlung nicht weiter auf.

Weltweit hat er schon knapp US$ 63 Mio. eingespielt. Lääuft! Ab jetzt rollt der Rubel…$$$ Topp die Wette gilt: ein Verkaufsschlager für Fans (der hier extrem faden Schauspieler), ein No-Go, ja ein Deal-Breaker für alle, die gutes Kino mögen. Wie sagte Milan Kundera so schön: “Kitsch ist die Abwesenheit von Scheiße.” Dieser Film ist Kitsch.

P.S.: Wer kann erklären, warum das europäische Filmplakat in einem zentralen Detail verändert wurde?

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